{"id":8290,"date":"2020-03-11T10:03:17","date_gmt":"2020-03-11T09:03:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cibx.de\/?p=8290"},"modified":"2020-03-11T10:03:17","modified_gmt":"2020-03-11T09:03:17","slug":"automatisch-gespeicherter-entwurfwird-schleppend-implementieren-dr-martina-hasseler-ueber-die-zukunft-von-ehealth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cibx.de\/en\/automatisch-gespeicherter-entwurfwird-schleppend-implementieren-dr-martina-hasseler-ueber-die-zukunft-von-ehealth\/","title":{"rendered":"\u201eWird schleppend implementieren\u201c &#8211; Prof. Dr. Martina Hasseler \u00fcber die Zukunft von eHealth"},"content":{"rendered":"<p>In unserer Interview-Reihe \u00fcber die Zukunftsaussichten von <a href=\"https:\/\/cibx.de\/en\/was-bedeutet-ehealth-eigentlich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">eHealth<\/a> in Pflege, Medizin und Gesundheit geht es heute mit Frau Prof. Dr. Martina Hasseler weiter. Sie ist Professorin f\u00fcr Pflegewissenschaft an der Ostfalia Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaften, Fakult\u00e4t Gesundheitswesen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Frau Prof. Dr. Hasseler, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. Trotzdem sieht es in der Praxis oft anders aus.<\/h4>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Was denken Sie: Wird sich eHealth in Pflege und Gesundheit in K\u00fcrze fl\u00e4chendeckend durchsetzen oder bleiben Pflege- und Gesundheitssysteme, in denen ein Wandel nur schleichend seinen Durchbruch findet?<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Antwort auf diese Frage h\u00e4ngt davon ab, wie man eHealth definiert. Das \u00fcbliche Verst\u00e4ndnis fokussiert ja eher die Informations- und Kommunikationstechnologien. In dieser Lesart geht es eher darum, Informationen im Gesundheits-und Pflegesystem auszutauschen, zu verbinden und diese Wege effizienter zu gestalten, um Behandlungsprozesse zu verbessern. Eigentlich m\u00fcssen wir die Entwicklung des Gesundheits- und Pflegesystems noch umfassender sehen. Es werden neue Technologien, Robotik, k\u00fcnstliche Intelligenz Einzug halten. Darauf werde ich aber hier nicht eingehen, da die neuen Technologien noch ganz andere Entwicklungen und disruptive Ver\u00e4nderungen nach sich ziehen werden, auf die wir noch gar nicht vorbereitet sind, weil wir noch nicht mal eHealth ann\u00e4hernd angemessen implementiert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nMoment gehe ich davon aus, dass eHealth sich nur schleichend in Deutschland\numsetzen wird. Diese Einsch\u00e4tzung hat unter anderem mit unserer nicht\nausreichenden Infrastruktur zu tun, die eHealth voraussetzt. Ich habe in einem\nArtikel gelesen, dass Deutschland im Digitalisierungsindex vor Polen auf dem\nvorletzten Platz steht. In einer anderen Untersuchung wurde festgestellt, dass\ndie deutschen Krankenh\u00e4user im europ\u00e4ischen Vergleich auch die hinteren Pl\u00e4tze\nin der Digitalisierung einnehmen. F\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung von eHealth ben\u00f6tigen\nwir aber die technischen und digitalen Voraussetzungen. Wir haben zwar mit dem\ndigitalen Versorgungsgesetz bspw. nun M\u00f6glichkeiten geschaffen, auch Projekte\nf\u00f6rdern und umsetzen zu lassen. Gleichwohl werden die Projekte mehrere Jahre\nbis zur erfolgreichen Umsetzung ben\u00f6tigen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen wir uns\nfragen, ob die Gesundheits- und Pflegeberufe auf die neuen Entwicklungen\nvorbereitet werden. Die Anwendung und Umsetzung von eHealth h\u00e4ngt auch davon\nab, wie gut die Professionen im System daf\u00fcr qualifiziert sind. Im Moment\nbereitet keine Ausbildung und kein Studium die Gesundheits- und\nPflegeprofessionen, die ja die Anwender sind, auf eHealth vor. Dar\u00fcber hinaus\nist eine Organisationsentwicklung in den Einrichtungen und Institutionen in den\nSektoren notwendig. Die Prozesse der Zusammenarbeit werden sich \u00e4ndern, die\nRelevanz und Positionen einiger Berufe werden sich ver\u00e4ndern und mehr weitere\nVer\u00e4nderungen werden sich ergeben. Aber in Deutschland sind die meisten\nInstitutionen wie Krankenh\u00e4user oder Arztpraxen oder Pflegeheime nach\nVorstellungen des letzten Jahrhunderts aufgebaut und organisiert. Auch in der Finanzierung\nder Leistungen im Gesundheits- und Pflegesystem wird eHealth noch nicht\nangemessen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nanderen Worten: es gibt viele Gr\u00fcnde davon auszugehen, dass eHealth in\nDeutschland nur schleppend implementieren wird. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In welchem medizinischen Bereich sehen Sie denn den gr\u00f6\u00dften Nutzen von eHealth? <\/h4>\n\n\n\n<p>In der Lesart, dass eHealth unter Informations- und Kommunikationstechnologien subsumiert werden kann, hat es f\u00fcr die berufsgruppen- und sektoren\u00fcbergreifende Versorgung einen hohen Nutzen. Patienten*innenrelevante Informationen k\u00f6nnen ausgetauscht werden, es wird schneller m\u00f6glich, auf akute Ver\u00e4nderungen einzugehen u.w.m. Es ist vorstellebar, das Entlassmanagement mit eHealth effektiver und effizienter zu gestalten oder die h\u00e4usliche Krankenpflege (nach \u00a7 37 SGB XI) sich im Sinne der Patientenversorgung bedarfsgerechter und schneller rezeptieren und organisieren l\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p>Idealerweise\nwerden die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, die Versicherten, die Menschen in unserem\nLande st\u00e4rker in ihre Gesundheits- und Pflegeversorgung eingebunden, sodass wir\neinen h\u00f6heren Partizipations- und Autonomiegrad erreichen k\u00f6nnen. Sie werden\nst\u00e4rker verantwortlich in die eigene Gesundheits- und Pflegeversorgung durch\ndie neuen Technologien eingebunden. Das hei\u00dft, die Menschen in unserem Land\nwerden durch eHealth mit h\u00f6heren Gesundheitskompetenzen ausgestattet. Vor\ndiesem Hintergrund gehe ich davon aus, dass sich die Rollen und Funktionen der\neinzelnen Gesundheits- und Pflegeprofessionen \u00e4ndern werden. Sehr stark wird\nsich die Kommunikation zwischen den Sektoren und an Versorgung beteiligten\nProfessionen wie auch mit den Patientinnen und Patienten im System \u00e4ndern. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie arbeiten denn Sie pers\u00f6nlich daran, eHealth in das Pflege- und Gesundheitssystem zu integrieren? <\/h4>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst versuche ich auf allen Ebenen daf\u00fcr zu sensibilisieren, dass f\u00fcr die Implementation von eHealth alle an Gesundheits- und Pflegeversorgung beteiligten Professionen beteiligt werden m\u00fcssen. Sie sollten sowohl an der Entwicklung wie an der Umsetzung und nat\u00fcrlich auch in der Anwendung partizipieren. Diese Diskussionen, ob auch andere Berufsgruppen oder nur \u00c4rzte daran beteiligt werden sollten, sind ein wenig obsolet. Bislang dominiert in unserem System leider eine arztbezogene Diskussion, in der Annahme, dass eine bedarfsgerechte Versorgung nur mit \u00c4rztinnen und \u00c4rzten erfolgt. Diese Lesart ist extrem verk\u00fcrzt. Sowohl die anderen Professionen wie die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte m\u00fcssen \u00fcber die Ma\u00dfnahmen und Interventionen, die in den Sektoren erfolgen, informiert werden, um diese aufeinander abzustimmen.<\/p>\n\n\n\n<p>EHealth birgt die Chance, diese Informationen sektoren- und berufsgruppen\u00fcbergreifend sinnvoll auszutauschen und zu \u00fcbermitteln. Aber die Erreichung der Ziele von eHealth ist nicht ohne Integration aller Beteiligter m\u00f6glich. Deswegen bedarf es eines interprofessionellen Verst\u00e4ndnisses der Gesundheits- und Pflegeversorgung als Grundlage f\u00fcr die Umsetzung von eHealth. Des Weiteren versuche ich, mit drittmittelgef\u00f6rderten Projekten u.a. an der Qualifikation von Gesundheits- und Pflegeprofessionen mitzuwirken, damit sie neue Technologien ad\u00e4quat einsetzen k\u00f6nnen, aber auch in der Lage sind, an der Organisationsentwicklung mitzuwirken. Nicht zuletzt geht es auch darum, neue Versorgungsarrangements unter Integration von eHealth und anderen neuen Technologien zu entwickeln, zu erproben und in Wirksamkeit zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vielen Dank f\u00fcr das nette und interessante Gespr\u00e4ch Frau Prof. Dr. Hasseler!<\/h4>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.martina-hasseler.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> finden Sie die Vita von Prof. Dr. Martina Hasseler.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Interview-Reihe \u00fcber die Zukunftsaussichten von eHealth in Pflege, Medizin und Gesundheit geht es heute mit Frau Prof. Dr. Martina Hasseler weiter. Sie ist Professorin f\u00fcr Pflegewissenschaft an der Ostfalia Hochschule f\u00fcr angewandte Wissenschaften, Fakult\u00e4t Gesundheitswesen. Frau Prof. Dr. Hasseler, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. 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