{"id":7049,"date":"2019-09-24T08:25:42","date_gmt":"2019-09-24T06:25:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cibx.de\/?p=7049"},"modified":"2019-09-24T08:25:42","modified_gmt":"2019-09-24T06:25:42","slug":"chris-berger-zukunft-ehealth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cibx.de\/en\/chris-berger-zukunft-ehealth\/","title":{"rendered":"Weg von der Behandlung, hin zur Pr\u00e4vention von Krankheiten &#8211; Chris Berger \u00fcber die Zukunft von eHealth"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00f6ffentliche und mediale Diskussion \u00fcber die Zukunft des Gesundheitssystems wird immer intensiver. Wir haben dies zum Anlass genommen, um Experten aus dem Bereich eHealth dazu zu befragen. Heute ist Chris Berger vom bvitg dran.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Herr Berger, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. Trotzdem sieht es in der Praxis oft anders aus. Was denken Sie: Wird sich eHealth in Pflege und Gesundheit in K\u00fcrze fl\u00e4chendeckend durchsetzen oder bleiben Pflege und Gesundheit Systeme, in denen Wandel nur schleichend seinen Durchbruch findet?<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde nicht behaupten, dass\neHealth alternativlos ist, denn wir als Gesellschaft entscheiden ja, welche gesetzlichen\nRahmenbedingungen und Leitplanken der Digitalisierung zu Grunde liegen sollen.\nW\u00e4hrend einige L\u00e4nder sich zum Beispiel f\u00fcr ein Opt-out Verfahren bei digitalen\nAnwendungen entscheiden, ist der mehrheitliche Konsens in Deutschland f\u00fcr ein\nfreiwilliges Opt-in. <\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings \u00fcberwiegen die Vorteile und Potentiale der Digitalisierung des Gesundheitssystem bei weitem. Unn\u00f6tige Doppel-Untersuchungen und Fehlmedikation k\u00f6nnen durch eine vernetzte Versorgung verhindert werden. Studien attestieren der Digitalisierung zudem ein Effizienzpotential von \u20ac39 Milliarden, sofern alle Versorgungsprozesse konsequent digitalisiert sind. In Deutschland produzieren wir immer noch einen Papierberg von 5 Milliarden Dokumenten (Rezepte, Arbeitsunf\u00e4higkeit, Arztbriefe etc.) die senkrecht gestapelt die H\u00f6he des Mount Everests erreicht. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><em>&#8222;eHealth rettet Leben&#8220;<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Was man bei all der Diskussion oft vergisst: eHealth rettet Leben. Derzeit sterben in Deutschland pro Jahr knapp 30.000 Menschen aufgrund von wechselseitigen Wirkungen von Medikamenten. Rund eine halbe Millionen Krankenhauseinweisungen sind darauf direkt und indirekt zur\u00fcckf\u00fchren. Ein elektronischer Medikationsplan, der in der <a href=\"https:\/\/www.kbv.de\/html\/epa.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ePA<\/a> hinterlegt ist, der Unvertr\u00e4glichkeiten und Wechselwirkungen identifiziert, kann jeden dieser Todesf\u00e4lle verhindern. Eine vernetzte Versorgung verbessert somit die Lebensqualit\u00e4t und steigert die Patientensicherheit enorm.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gesellschaft und \u00d6ffentlichkeit\ngibt es zwar noch einige Vorbehalte, da Gesundheits- und Sozialdaten eben die\nintimsten Daten sind, die von uns existieren. Allerdings fragen sich zunehmend\nimmer mehr Leute, wieso man im Jahr 2019 noch eine CD mit seinen\nCT\/MRT-Befunden und einen schriftlichen Arztbrief in die Hand gedr\u00fcckt bekommt,\nw\u00e4hrend man zu jederzeit an jedem Ort der Welt digital seine Bankgesch\u00e4fte\nabwickeln kann. Ein Umdenken findet somit langsam statt.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich z.B. die Einf\u00fchrung\nder elektronischen Patientenakte in anderen L\u00e4ndern an, so ist auch klar, dass\ndie Nutzungsrate von digitalen Anwendungen nicht per Knopfdruck nach Einf\u00fchrung\nauf 100% steigt. Wenn die Anwendungen nutzstiftend und sinnvoll sind, dann\nwerden die Patienten mittel- und langfristig diese auch aktiv nutzen. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Herr Berger, in welchem medizinischen Bereich sehen Sie den gr\u00f6\u00dften Nutzen von eHealth?<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung im Gesundheitssystem f\u00fchrt zu mehreren Entwicklungen: Die Aufhebung der Sektorengrenzen, die personalisierte Medizin und zu einem grundlegenden, systemischen Wandel von der Behandlung von Krankheiten hin zur Pr\u00e4vention bzw. Verhinderung von Krankheiten. In Zukunft werden alle, also die Patienten, Leistungserbringer, Leistungstr\u00e4ger und die Versorgungsforschung profitieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenf\u00fchrung und Auswertung\nheterogener Gesundheits- und Sozialdaten wird mit Hilfe von KI- und Big-Data-Anwendungen\nzur Ausrottung von seltenen Krankheiten f\u00fchren. Bereits jetzt k\u00f6nnen KI-Anwendungen\nin der bildgebenden Diagnostik den Ausbruch von Krebs 5 Jahre vorhersagen,\nsodass man in Zukunft nicht mehr den Krebs bek\u00e4mpft, sondern den Ausbruch\nverhindert. Das Potential f\u00fcr die Versorgungsforschung ist damit unbegrenzt. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Patienten fr\u00fcher nur ein\nGlied in der Versorgung waren, r\u00fcckt die Digitalisierung sie jetzt ins Zentrum\nder Versorgung. Als Herr seiner Daten, k\u00f6nnen sie zu jederzeit an jedem Ort\nEinsicht und Freigabe ihrer behandlungsrelevanten Dokumente erteilen. Diese\nwerden dann intersektoral, also in der vertrags\u00e4rztlichen Versorgung, den\nKliniken und in der Pflege zum Einsatz kommen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Leistungserbringer, also die \u00c4rzte und Kliniken werden enorm profitieren. Durch KI-Anwendungen wird der Radiologe\/Neurologe mehr Zeit f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit seinen Patienten haben. <a href=\"https:\/\/www.kvberlin.de\/20praxis\/20qualitaet\/10qsleistung\/leistungen_ueberblick\/qs_roentgen\/praxisinfo_telekonsil.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Telekonsile<\/a> erm\u00f6glichen eine einfache R\u00fccksprache mit dem Facharzt, w\u00e4hrend durch die Videosprechstunde die Erteilung einer Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung den Besuch beim Arzt erspart. Durch <a href=\"https:\/\/www.gematik.de\/news\/news\/kom-le-fuer-eine-sichere-kommunikation-unter-kollegen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KOM-LE<\/a> kann dann auch in Zukunft der Vertragsarzt mit seinen Kollegen kommunizieren, ohne dabei auf WhatsApp, E-Mail oder Facebook zur\u00fcckgreifen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch Ma\u00dfnahmen wie Population Health\nManagement wird ebenfalls die Qualit\u00e4t der Versorgung verbessert, da\nVersorgungsl\u00fccken besser identifiziert werden und der Ausbruch von Grippewellen\nz.B. besser vorhersehbar ist. Letztendlich profitieren somit alle an der\nDigitalisierung des Gesundheitssystem. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie arbeiten Sie pers\u00f6nlich daran, eHealth in das Pflege- und Gesundheitssystem zu integrieren? <\/h4>\n\n\n\n<p>Zum einen f\u00f6rdere ich beruflich die vernetzte Versorgung, da ich als Referent Politik im <a href=\"https:\/\/www.bvitg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bvitg<\/a> (Bundesverband Gesundheits-IT e.V.) arbeite. Dort betreue ich alle gesundheitspolitischen Themen rund um die Einf\u00fchrung der elektronischen Patientenakte (ePA), den Ausbau der Telematikinfrastruktur (TI) und den Zugang zur und Anwendung in der Versorgung von digitalen Anwendungen.&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.cibx.de\/WordPress_SecureMode_01\/wp-content\/uploads\/180725-bvitg-MA-Berger-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7055\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Quelle: bvitg<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Zum anderen halte ich aber auch gerne in meiner Freizeit Vortr\u00e4ge auf Fachtagungen, Podien oder Aussch\u00fcssen, um \u00fcber das Potential der Digitalisierung in der Versorgung und Forschung aufmerksam zu machen. Ich engagiere mich auch beim digitalpolitischen Verein <a href=\"https:\/\/c-netz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">#cnetz<\/a> und betreue dort das eHealth Forum, um auch \u00fcber den Tellerrand der Legislaturperiode Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen und f\u00fcr ein Umdenken zu sorgen. Letztendlich gelingt die Digitalisierung nur im gemeinsamen Diskurs miteinander und nicht gegeneinander. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, Herr Berger!<\/h4>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6ffentliche und mediale Diskussion \u00fcber die Zukunft des Gesundheitssystems wird immer intensiver. Wir haben dies zum Anlass genommen, um Experten aus dem Bereich eHealth dazu zu befragen. Heute ist Chris Berger vom bvitg dran. Herr Berger, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. Trotzdem sieht es in der Praxis oft anders aus. 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