{"id":6996,"date":"2019-09-17T08:19:00","date_gmt":"2019-09-17T06:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cibx.de\/?p=6996"},"modified":"2019-09-17T08:19:00","modified_gmt":"2019-09-17T06:19:00","slug":"alltag-demenz-angehoerige","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cibx.de\/en\/alltag-demenz-angehoerige\/","title":{"rendered":"Der Alltag einer Demenz-Angeh\u00f6rigen"},"content":{"rendered":"<p>Auf eine Anfrage bei Facebook hat sich Gini bei uns gemeldet. Ehrlich, direkt und offen hat sie uns von ihrem schwierigen Alltag mit ihrer schwer demenzkranken Mutter berichtet. Ihre Geschichte zeigt: Jede Demenzerkrankung ist anders. Sie kann so verlaufen, dass ein &#8222;normaler&#8220; Alltag mit dem betroffenen Angeh\u00f6rigen m\u00f6glich ist. Andersherum geht es aber leider genauso&#8230;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ginis Geschichte<\/h4>\n\n\n\n<p>\u201eEs fing vor 13 Jahren an, da war meine Mutter 77 Jahre alt,\nmit immer wiederholenden Erz\u00e4hlungen, abgelaufenen Lebensmittel im K\u00fchlschrank\nund Lustlosigkeit. Au\u00dferdem hat sie Uhrzeiten nicht richtig wahrgenommen. Der\nArzt schob es immer auf die Altersdiabetes und tat das so ab, war eher genervt\nund so bin ich jeden Tag morgens zu ihr hin, habe Br\u00f6tchen und Zeitung gebracht,\num dann zur Arbeit zu fahren. Zu Eink\u00e4ufen habe ich sie einmal die Woche\nmitgenommen und auch da war es wie bei einem Kleinkind: Alles musste in den\nEinkaufswagen, ich hab sie einfach machen lassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Eines Morgens schrieb mich auf Facebook meine Cousine an,\ndessen Tochter bei der Polizei ist und fragte, ob es sein kann, das meine \u201eMom\u201c\nnachts in der Bochumer City hilflos aufgefunden wurde. Tats\u00e4chlich war sie das!\nDie Uhrzeiten hatte sie verwechselt und ist an einem Freitag um 3 Uhr in den\nBus und nach ca. 15 Jahren in die Stadt, um einzukaufen. Ich war fertig und\nlie\u00df sie in ein Krankenhaus einweisen. <\/p>\n\n\n\n<p>Da bekamen wir die Diagnose Demenz und mir war klar, dass\nihr Allein-Leben nun zu Ende ist. Das war vor 5 Jahren. Ich habe mit ihr dort\nnoch geredet, dass sie nun entweder in ein betreutes Wohnen ziehen muss oder\nhalt zu uns kommt. Nachdem einige Vorf\u00e4lle im Krankenhaus sie auch wohl\n\u00e4ngstlich gemacht hatten, sagte sie, dass sie zu mir kommt und wir setzten das\nsehr schnell um. <\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem ist nichts mehr, wie es war. Fenster und T\u00fcren sind\nmit einem Alarm ausgestattet, der losgeht, wenn sie ihren Freiheitsdrang an den\nTag legt. Wir werden sofort \u00fcbers Handy benachrichtigt, sie schmiert an manchen\nTagen ihren kompletten Kot durchs Zimmer und man schmei\u00dft nur weg, desinfiziert\nund kauft neu, denn sie wei\u00df ja nicht, wie das passiert ist. Sie hockt im\nZimmer, starrt nur rum und ich habe ein schlechtes Gewissen, sie sucht viel\nohne zu wissen, was \u00fcberhaupt, aber helfen darf man nicht, dann wird es b\u00f6se, obwohl\nsie immer herzensgut war. Im Endeffekt ist es, als wenn man ein Kleinkind hat,\ndas aber nichts lernt oder gar beh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zigmal war sie schon in der Geriatrischen und ich bekam\neinen &#8222;Zombie&#8220; zur\u00fcck, weil sie vollgedr\u00f6hnt mit Tabletten und S\u00e4ften\nwar (Risperidon, Melperon, Temazepam usw.) Ich habe zum Gl\u00fcck einen tollen\nHausarzt, der mir beisteht und habe alle diese Medikamente abgesetzt und durch\nB12, Schlafsterne f\u00fcr abends bei Bedarf und Baldrian ersetzt. Es dauerte, aber\nsie ist seitdem nicht mehr der sabbernde &#8222;Zombie&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Mein Leben selbst hab ich so gut wie es geht aufgegeben. Arbeiten tue ich nur noch morgens von 5 bis 8 Uhr, denn da schl\u00e4ft sie noch. Dann mache ich sie fertig f\u00fcr die Tagespflege. Anschlie\u00dfend Haushalt, Schadensbeseitigung, Essen kochen usw. Mein Ausgleich sind dabei unsere zwei Hunde und das Spazierengehen mit ihnen, denn Freunde, Verwandte sind da nicht mehr wirklich, wie auch? Es bleibt ja keine Zeit und es zerm\u00fcrbt einen, die Ehe leidet auch und des \u00d6fteren erwische ich mich bei dem Gedanken, mir zu w\u00fcnschen, dass es zu Ende geht. Traurig aber so ist&#8217;s.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wir ziehen unseren Hut vor allen Menschen, die demenzkranke Angeh\u00f6rige pflegen und betreuen!<\/h4>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf eine Anfrage bei Facebook hat sich Gini bei uns gemeldet. 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