{"id":6989,"date":"2019-09-16T08:58:06","date_gmt":"2019-09-16T06:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cibx.de\/?p=6989"},"modified":"2019-09-16T08:58:06","modified_gmt":"2019-09-16T06:58:06","slug":"jens-pichl-zukunft-ehealth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/cibx.de\/en\/jens-pichl-zukunft-ehealth\/","title":{"rendered":"&#8222;&#8230;noch einige Lanzen zu brechen&#8220; &#8211; Jens Pichl \u00fcber die Zukunft von eHealth"},"content":{"rendered":"<p>In unserer Interview-Reihe \u00fcber die Zukunftsaussichtungen von eHealth in Pflege, Medizin und Gesundheit geht es heute mit Jens Pichl weiter.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Herr Pichl, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. Trotzdem sieht es in der Praxis oft anders aus. Was denken Sie: Wird sich eHealth in Pflege und Gesundheit in K\u00fcrze fl\u00e4chendeckend durchsetzen oder bleiben Pflege und Gesundheit Systeme, in denen Wandel nur schleichend seinen Durchbruch findet?<\/h4>\n\n\n\n<p>Die Frage ist, welchen Zeitraum Sie mit \u201ein K\u00fcrze\u201c verbinden? \ud83d\ude09 Ich glaube nicht daran, dass wir in 1 bis 3 Jahren eine fl\u00e4chendeckende eHealth- Anbindung in Pflege und Gesundheit erleben werden. Im Hinblick darauf scheint mir unsere deutsche Gesetzgebung als zu tr\u00e4ge. Zudem ist der Pflege- und Gesundheitsmarkt derart \u00fcberreguliert, dass es nur langsam m\u00f6glich sein wird, fl\u00e4chendeckend eHealth-Innovationen im Markt auszurollen. <\/p>\n\n\n\n<p>Meiner\nMeinung nach sind hier zun\u00e4chst noch einige Lanzen zu brechen, um weitl\u00e4ufig\nNutzenverst\u00e4ndnis und Akzeptanz herzustellen. Viele Produkte, deren Entwicklung\nman gegenw\u00e4rtig beobachten kann, gehen meines Erachtens am Nutzen und der\nPraxis-Relevanz tats\u00e4chlich vorbei. Nicht jeder will, zumindest aktuell, eine\nApp. Nur eine stark eingegrenzte Nutzergruppe bzw. Generation will dies. Wir\nhaben sehr viele Insel-L\u00f6sungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem\nstellt sich oftmals die Frage nach der Re-Finanzierung durch die Kostentr\u00e4ger.\nMeiner Meinung nach ist die Antwort auf diese Frage von sehr gro\u00dfer Relevanz f\u00fcr\nden Erfolg von fl\u00e4chendeckenden L\u00f6sungen. So lang jedoch Menschen bei den\nKostentr\u00e4gern und Entscheidungsgremien Funktionen und Positionen begleiten, die\neiner \u00e4lteren Generation angeh\u00f6ren, sind f\u00fcr eHealth-L\u00f6sungen noch einige\nSteine zu klopfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Am\nehesten sehe ich noch Assistenzsysteme mit Anbindung an Dienstleistungen in der\nPflege sowie telemedizinische Leistungen bei chronischen Erkrankungen, deren\nNutzen mehrfach in Studien nachgewiesen wurde.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">In welchem medizinischen Bereich sehen Sie den gr\u00f6\u00dften Nutzen von eHealth? \u00a0 <\/h4>\n\n\n\n<p>Ich\ndenke, an dieser Stelle muss man die verschiedenen Systeme bzw. Bereiche\ndifferenziert betrachten. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsehe den <strong><em>gro\u00dfen medizinischen Bereich der Akutversorgung<\/em><\/strong>, der zunehmend\ndurch Technik gest\u00fctzt gro\u00dfe Datenmengen produzieren wird, aus der zuk\u00fcnftig eine\nbestm\u00f6gliche und individuelle medizinische Behandlung bzw. Therapie abgeleitet\nwerden kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsehe den ganzen Bereich um die <strong><em>telemedizinischen Anwendungen\/ Telemonitoring<\/em><\/strong>\nim Bereich von chronischen Erkrankungen und Risikopatienten, bei denen zeitnah\ninterveniert und m\u00f6gliche schwerwiegende Komplikationen verhindert werden k\u00f6nnen.\nUnd ich denke an die stark l\u00e4ndlich gepr\u00e4gten Regionen, die durch eine\ntelemedizinische Anbindung eine Aufwertung und bessere medizinische\nVersorgungsstruktur erfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nPflegebereich werden hoffentlich zunehmend <strong><em>elektronische &amp; smarte\nAssistenzsysteme<\/em><\/strong> Einzug halten, die ein selbstbestimmtes Leben zu Hause\nweiterhin bis ins hohe Alter erleichtern. Ich denke dabei an smarte und sensorengest\u00fctzte\nWohnwelten mit Anbindung an Rufsysteme, Community-Plattformen, telemedizinische\nServicezentren, die Koordinator- und Conciergefunktionen \u00fcbernehmen etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsehe den Bereich <strong><em>pers\u00f6nliche Gesundheitsdaten\/ Selftracking zur\nGesundheitserziehung und Gesundheitspr\u00e4vention\/ Coaching<\/em><\/strong>, bspw. in ein <strong><em>betriebliches\nGesundheitsmanagement<\/em><\/strong> eingebunden. Im Hinblick auf eine massive\nArbeitsverdichtung und im War for Talents sicher ein Ansatzpunkt um Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie arbeiten Sie pers\u00f6nlich daran, eHealth in das Pflege- und Gesundheitssystem zu integrieren? \u00a0 <\/h4>\n\n\n\n<p>Momentan\nsehe ich meinen T\u00e4tigkeitsschwerpunkt in der Umsetzung der papierlosen\nDokumentation, der Vernetzung der Inselkomponenten sowie in der digitalen\nTransformation von Gesch\u00e4ftsprozessen in Pflegeeinrichtungen, um deren M\u00f6glichkeiten\nf\u00fcr alle Beteiligten greifbar und nutzbar zu machen.<br>\n<br>\nAls Einrichtungsleitung in der vollstation\u00e4ren Pflege ist mir pers\u00f6nlich sehr\ndaran gelegen, die EDV-gest\u00fctzte Pflegedokumentation nach dem Beikirch-Modell\nvollst\u00e4ndig umzusetzen und die damit verbundenen Potenziale m\u00f6glichst umfassend\nzu heben. Das gelingt gegenw\u00e4rtig, zumindest in unserer Einrichtung, bereits\nseit 2016 schon gut. Als Manager der Mitarbeiter-Generationen sehe ich immer\nnoch die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung darin, die \u00e4lteren KollegInnen in\nPflegeunternehmen auf die Reise der zunehmenden Digitalisierung mitzunehmen.\nDiese sto\u00dfen in den sich ver\u00e4nderten Arbeitswelten regelm\u00e4\u00dfig an ihre Grenzen. Darauf\nbraucht es Antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz\naktuell zum Beispiel, wurden die sehr komplexen Verwaltungs- und\nDokumentationsanwendungen mit den teils langj\u00e4hrigen Bewohnerakten in\nPapierform zusammengef\u00fchrt, um die t\u00e4gliche Arbeit f\u00fcr alle Nutzergruppen m\u00f6glichst\nohne lange Suchzeiten zu erm\u00f6glichen, da alles an \u201eeinem Ort\u201c l\u00fcckenlos\nauffindbar ist. In Zeiten stetig knapperer Ressourcen wird allein hierdurch ein\nerhebliches Zeitpotenzial freigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein softwaregest\u00fctztes\nDokumenten-Management-System (DMS) inkl. rechtssicherer papierloser\nArchivierung soll ausgew\u00e4hlt und implementiert werden oder eine digitale\nPersonalakte ist aufzubauen, die zus\u00e4tzlich aus Daten der Zeitwirtschaft, der\nDienst- und Einsatzplanung, des Recruitings bzw. der Lohnbuchhaltung gespeist\nwird. Dazu braucht es bisher mehrere Anwendungen, die mit ihren Schnittstellen\naufeinander angepasst werden m\u00fcssen und dann erst viele selbstgebastelte Excel-Listen\nabl\u00f6sen und Arbeitsprozesse verschlanken kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Prozesse sehe ich schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Einkauf\/Logistik sowie bspw. dem gesamten Personalmanagement: Stichwort Online-Recruiting &amp; Bewerbermanagement, dem Onboardingprozess sowie in der Personalentwicklung.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zur Person<\/h4>\n\n\n\n<p>Jens Pichl war von 2004, fast neun Jahre lang, prim\u00e4r im operativen Umfeld der damals noch jungen Telemedizin t\u00e4tig. Sein Aufgabenspektrum reicht von telemedizinisch gest\u00fctztem Gesundheitscoaching \u00fcber Aufbau- und Wachstumsprozesse im medizinischen Servicecenter und den technischen Customer-Support. Seit 2013 verfolgt und begleitet er die digitalen Ver\u00e4nderungs- und Entwicklungsprozesse in kleinen Klinikbetrieben bis mittelgro\u00dfen Pflegeeinrichtungen mit den Schwerpunkten EDV-basierte Pflegedokumentation, technische Pflegeassistenzsysteme sowie der schnittstellen\u00fcbergreifenden Digitalisierung von Gesch\u00e4ftsprozessen in der Verwaltung, dem Personal- und Marketingbereich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer Interview-Reihe \u00fcber die Zukunftsaussichtungen von eHealth in Pflege, Medizin und Gesundheit geht es heute mit Jens Pichl weiter. Herr Pichl, f\u00fcr die meisten Experten ist eHealth alternativlos. Trotzdem sieht es in der Praxis oft anders aus. 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